ENTWICKLUNGSPÄDAGOGISCHE und – ENTWICKLUNGSPOLITISCHE BILDUNGSARBEIT IN DEUTSCHLAND (EPB)
Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika und nachhaltige Entwicklung –
und was hat das mit uns zu tun?
Entwicklungspädagogische Arbeit des Vereins LebKom e.V. in Schulen, Fortbildungen und Medien
Wie aus einer Begegnung und einem offenen, wertschätzenden Blick auf das Schicksal von Frauen anderer Kulturen eine Idee für das Menschenrecht auf Unversehrtheit werden konnte, die bis heute Wellen schlägt, die tausenden Mädchen ein unbekümmertes Erwachsenwerden ermöglicht, hat das Fulda-Mosocho-Projekt gezeigt.
Zum Fundament einer Bewegung gegen Genitalverstümmelung und für die Unversehrtheit von Mädchen in Afrika gehören auch Menschen die sich hierzulande engagieren und entwicklungspolitisch aktiv werden.
Engagieren will man sich in der Regel nur für Dinge, mit denen man sich identifizieren kann, die das eigene Herz bewegen. Deshalb startete LebKom e.V. im Mai 2010 ein Projekt, dass es möglich machen will, die Berührungsängste zu diesem entwicklungspolitischen Thema zu nehmen, zu informieren und zu begeistern. Unter dem Motto „Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika und nachhaltige Entwicklung – und was hat das mit uns zu tun?“ bringen geschulte Anti-FGM-Fachkräfte des Vereins die Lebenswelt afrikanischer Mädchen und Frauen und das sensible Thema behutsam in Schulklassen, zu Ehrenamtlichen und in Öffentlichkeit und Medien.
Zielsetzung dieses in seiner Art neuen Projektes ist es, die kritische Auseinandersetzung mit der Problematik „Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika“, ihren Hintergründen, Strukturen und ihrer entwicklungspolitischen Dimension zu fördern. Die Einbeziehung von Beiträgen erfolgreicher deutsch-kenianischer Entwicklungszusammenarbeit soll zu einem Perspektivwechsel führen und zu eigenem Engagement und Handeln ermutigen.
Dazu Projekt besteht aus drei Bausteinen und richtet sich an ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen:
Baustein 1 – Entwicklunspädagogische Schularbeit: Jugendliche bzw. Schüler/innen
Gerade viele Jugendliche – von denen einige den Bestseller und Kinofilms „Wüstenblume“ kennen – sind vom Schicksal der Mädchen und Frauen erschüttert und haben ganz konkrete Fragen zum Thema FGM. Durch einen sensiblen und lebendigen Unterricht, den der Leitfaden „und was hat das mit uns zu tun?“ durchzieht“, gewinnen sie Interesse an entwicklungspolitischen Fragestellungen und praktizieren schliesslich aktiv „Globales Lernen“.
Im Rahmen von Entwicklungspädagogischer Arbeit an vier Fuldaer Schulen wurde bis zu den Sommerferien eine Pilot-Unterrichtsserie zum Thema entwickelt. Besondere Idee dieses in seiner Art neuen Schul-Projektes ist, durch Einbeziehung einer Mitarbeiterin des Fulda-Mosocho-Projektes, die aus Kenia berichtet, nachhaltiges Interesse und auch gesellschaftliches Engagement der Jugendlichen zu wecken.
So führt u.a. ein angeleitetes Rollenspiel, in dem eine Dorfversammlung (Baraza) nachgespielt wird, zu einem Perspektivwechsel. Anstelle eines vorwurfsvollen: „wie können diese Menschen so was tun?“ beginnen Jugendliche zu verstehen, dass eine jahrhundertealte Sitte nicht im Handumdrehen zu verändern ist, und was es in der Entwicklungszusammenarbeit braucht, damit in immer mehr Regionen Afrikas ein Umdenken wie in Mosocho in Gange kommt.
Das erarbeitete Pilot-Konzept soll in den kommenden Jahren weiterentwickelt und auf weitere Regionen Hessens ausgeweitet werden.
Baustein 2 – Vernetzung aktiv: Fortbildung für Ehrenamtliche
Seit Bekanntwerden der Erfolge des Fulda-Mosocho-Projektes durch die Nominierung für den EU-Menschenrechtspreis 2006 erreichen LebKom e.V. Anfragen nach einer Fortbildung für Ehrenamtliche zur entwicklungspolitischen Problematik FGM.
Hintergrund ist das Anliegen, sich gezielt inhaltliche, methodische und didaktische Fähigkeiten zu dieser sensiblen Problematik erschließen zu können, um dann in der eigenen Heimatregion entwicklungspolitisch aktiv zu werden.
Diese Anfragen werden jetzt für die ersten 20 TeilnehmerInnen mit einem Fortbildungsangebot beantwortet, das am 3. Juli im Ludwig-Wolker-Haus in Kleinsassen/Rhön startete. (Item zu PDF_Marktkorb)
Während Deutschland sich an diesem Tag im Zuge der sommerlichen Hitzwelle auf das WM-Viertelfinale der Deutschen gegen Argentinien vorbereiteten, waren die Fortbildungsteilnehmerinnen voll in Sachen „Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika“ am Ball.
Sie entwickelten an diesem Wochenende unter Anleitung einer Anti-FGM-Fachkraft auch erste Eckdaten für den Höhepunkt der Fortbildung: einem bundesweiten Aktionstag, auf dessen Umsetzung sie nun im Rahmen der Fortbildung miteinander hinarbeiten.
Großgeschrieben wird bei alledem die Vernetzung der Ehrenamtlichen untereinander – an einem gemeinsamen Anliegen arbeiten, sich darin unterstützen, das bringt einfach auch Freude.
Baustein 3 – Öffentlichkeit, Medien und ein bundesweiter Aktionstag
Angesprochen werden soll auch die breite Öffentlichkeit:
>> „Fulda-Mosocho on Tour“
ist eine „mobile Infostation“ zum Thema, die in hessischen Innenstädten tourt. In den Hochschulstädten Darmstadt, Fulda, Marburg, Kassel und Wiesbaden werden so auch Bürgerinnen und Bürger erreicht, die sich noch gar nicht mit dem entwicklungspolitischen Thema FGM auseinandergesetzt haben.
>> Bundesweiter Aktionstag in 20 Orten / Städten.
Er soll öffentlichkeitswirksam gestaltet werden. Die Idee: mit einer Unterschriftenaktion soll zu konkretem politisches Handeln ermutigt werden - für eine stärkere Gewichtung von Maßnahmen zur wirksamen Überwindung von FGM in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
>> Berichterstattung zum Thema in den Medien.
Über all’ diese entwicklungspolitischen Aktivitäten soll natürlich auch Schritt für Schritt in den Medien informiert werden, damit sich auch hierzulande immer mehr Menschen einsetzen, und ehrenamtlich und / oder politisch aktiv werden.
Angeleitet und koordiniert werden die rund 70 Einzelaktivitäten von geschulten Anti-FGM-Expertinnen, getragen und realisiert wird das Gros von ihnen von den Ehrenamtlichen, Schülerinnen und Schülern, und all‘ denjenigen, die sie mit ins Boot holen:
Damit auch Mädchen unversehrt Frauen werden.
Wir danken

Das Projekt wird gefördert von InWent aus Mitteln des BMZ (Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie dem HMWVL (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung).
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