Entwicklungspolitische und -pädagogische Bildungsarbeit (EPB)
Projekt: “Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika und nachhaltige Entwicklung – und was hat das mit uns zu tun?”
Unter diesem Motto bringen geschulte Anti-FGM-Fachkräfte des Vereins die Lebenswelt afrikanischer Mädchen und Frauen und das sensible Thema behutsam in Schulklassen, zu Ehrenamtlichen und durch eine Bundesweite Aktion in Öffentlichkeit und Medien.
1. Arbeit an Schulen mit Jugendlichen
Gerade Jugendliche – von denen einige das Buch oder den Kinofilms „Wüstenblume“ von Waris Dairie kennen – sind vom Schicksal der Mädchen und Frauen erschüttert. Sie beschäftigen ganz konkrete Fragen, wenn das Thema Weibliche Genitalverstümmelung zur Sprache kommt. Durch einen sensiblen und lebendigen Unterricht, den die Frage „und was hat das mit uns zu tun?“ wie ein roter Faden durchzieht, gewinnen sie Interesse an entwicklungspolitischen Fragestellungen.
Besonderheit dieses in seiner Art neuen Schul-Projektes: durch eine Fachkraft des Fulda-Mosocho-Projektes, die direkt aus Kenia berichtet, wird nachhaltiges Interesse bis hin zu gesellschaftlichem Engagement der Jugendlichen geweckt. So führt zum Beispiel ein angeleitetes Rollenspiel, in dem eine Dorfversammlung (Baraza) nachgespielt wird, zu einem Perspektivwechsel. Anstelle eines vorwurfsvollen: „wie können diese Menschen so was tun?“ beginnen Jugendliche zu verstehen, dass eine jahrhundertealte Sitte nicht im Handumdrehen, sondern nur miteinander Schritt für Schritt zu verändern ist. Sie begreifen, was es in der Entwicklungszusammenarbeit braucht, damit in immer mehr Regionen Afrikas ein Umdenken wie in Mosocho in Gange kommt.
Im Rahmen der Arbeit an vier Fuldaer Schulen wurde so 2010 eine Basis-Unterrichtsserie zum Thema entwickelt. Sie soll in den kommenden Jahren weiterentwickelt und schliesslich auf weitere Regionen Hessens ausgeweitet werden.
2. Fortbildung für Ehrenamtliche – Vernetzung aktiv
Immer mehr Frauen und auch Männer wollen selbst aktiv werden im Kampf gegen FGM und etwas tun.
Weil das Thema es in sich hat, rissen die Anfragen nach einer Fortbildung für Ehrenamtliche in den vergangenen Jahren nicht ab. Am 3. Juli 2010 war es nun soweit: während Deutschland sich an diesem Tag im Zuge der sommerlichen Hitzwelle das WM-Viertelfinale der Deutschen gegen Argentinien verfolgte, waren die Fortbildungsteilnehmerinnen voll in Sachen „Weibliche Genitalverstümmelung in Afrika“ am Ball. Von Juli – Oktober nahmen 18 TeilnehmerInnen an einer Fortbildung zur entwicklungspolitischen Problematik FGM teil.
Anliegen war, sich gezielt inhaltliche, methodische und didaktische Fähigkeiten erschließen zu können, um dann in der eigenen Heimatregion entwicklungspolitisch aktiv zu werden.
Großgeschrieben wurde und wird bei alledem die Vernetzung der Ehrenamtlichen untereinander – an einem gemeinsamen Anliegen arbeiten, sich darin unterstützen, das bringt einfach auch Freude. Als ein Ergebnis der Fortbildung erscheint daher an dieser Stelle in Kürze eine Liste von
Regionalen LebKom-AnsprechpartnerInnen zum Thema FGM,
an die Sie sich gern wenden können, wenn auch Sie mit unterstützen mögen.
Z.B. bei einer Bundesweiten Aktion, wie sie unter Anleitung einer Anti-FGM-Fachkraft im Rahmen der Fortbildung entstand und Schritt für Schritt auf die Beine gestellt wurde:
3. Bundesweite Aktionstage ab 11. September 2010
In über 20 Städten wurden im Rahmen der Aktionstage Infostände und Veranstaltungen sowie eine Unterschriftenaktion mit der Devise
“Ihre Stimme für die Unversehrtheit von Mädchen und jungen Frauen in Afrika und Deutschland: Durch profesionelle Hilfe vor Genitalverstümmelung schützen!”
durchgeführt.
Ziel war, konkreten Forderungen an die Bundesregierung und den Rat der EU Nachdruck verleihen, um dem Leid von Mädchen und Frauen durch folgende Schritte zeitnah ein Ende zu setzen:
- durch den Einsatz von hierfür speziell ausgebildeten Fachkräften in allen 28 afrikanischen Ländern und einigen Ländern des Nahen Ostens, in denen die Praktik verbreitet ist, sowie in Deutschland und den übrigen EU-Mitgliedsstaaten
- durch Bereitstellung von Ressourcen, um bereits bestehende Fort- und Ausbildungsangebote zu fördern und weitere einzurichten
- dem Einfordern des Schutzes bedrohter Mädchen und Frauen im Rahmen von Ländervereinbarungen in der Entwicklungszusammenarbeit obere Priorität zu geben
Denn die Dimension des Leids ist erschütternd: noch trifft die schwere Menschenrechtsverletzung jede 20. Frau auf unserem Globus und jedes Jahr werden unschuldige Mädchen Opfer der grausamen Rituals.
4. „Fulda-Mosocho on Tour“
ist schliesslich eine „mobile Infostation“ zum Thema, die 2010 in hessischen Innenstädten tourt. In den Hochschulstädten Darmstadt, Fulda, Marburg, Kassel und Wiesbaden werden so auch Bürgerinnen und Bürger erreicht, die sich noch gar nicht mit dem entwicklungspolitischen Thema FGM auseinandergesetzt haben.
Über all’ diese entwicklungspolitischen Aktivitäten berichten wir natürlich in den Medien, damit sich auch hierzulande immer mehr Menschen einsetzen, und ehrenamtlich und / oder politisch aktiv werden.
Angeleitet und koordiniert werden die verschiedenen Aktivitäten von geschulten Anti-FGM-Expertinnen, getragen und realisiert wird das Gros von ihnen von den Ehrenamtlichen, Schülerinnen und Schülern, und all‘ denjenigen, die sie mit ins Boot holen:
Damit auch Mädchen unversehrt Frauen werden.
Wir danken

Mit finanzieller Unterstützung des BMZ (Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie dem HMWVL (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung).
Downloads:
Plakat 1 zur Bundesweiten Aktion
Plakat 2 zur Bundesweiten Aktion
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